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Wohngeld Berlin: Hackerangriff kann Zahlungen und Anträge verzögern

Die Berliner Senatsverwaltungen sind nach dem Hackerangriff wieder an das Landesnetz angebunden. Die Wohngeld-Fachverfahren stehen grundsätzlich wieder zur Verfügung, der Online-Antrag wird wieder angeboten. Bei der Bearbeitung kann es weiterhin zu Verzögerungen kommen.

Update vom 29. August 2026

Wohngeld-Fachverfahren wieder verfügbar

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen ist seit dem Wochenende des 22. und 23. August wieder an das Berliner Landesnetz angebunden. Nach Angaben der Senatskanzlei stehen damit auch die von den Bezirken genutzten Fachverfahren grundsätzlich wieder zur Verfügung. Zu Beginn können trotzdem einzelne Beeinträchtigungen und Verzögerungen in den Arbeitsabläufen auftreten.

Das Service-Portal Berlin bietet den Online-Antrag für Wohngeld am 29. August wieder an. Wer bereits einen Antrag gestellt und eine Eingangsbestätigung erhalten hat, muss ihn wegen des IT-Ausfalls nicht erneut einreichen. Aufgrund der entstandenen Rückstände kann die Bearbeitung in einzelnen Bezirken länger dauern.

Die Untersuchung des Angriffs läuft weiter. Nach Angaben der Senatskanzlei sind im Bereich der Verkehrsverwaltung weitere Daten abgeflossen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass darunter personenbezogene oder andere nicht öffentliche Daten sind. Der Datenabfluss erfolgte nach aktuellem Ermittlungsstand zwischen dem 7. und 12. August. Am 28. August teilte der Senat außerdem mit, dass das Land Berlin im Zusammenhang mit dem Angriff erpresst werden soll. Inhalt und Umfang der betroffenen Daten werden weiter untersucht.

Im Überblick

  • Die beiden betroffenen Senatsverwaltungen sind seit dem 23. August 2026 wieder an das Landesnetz angebunden.
  • Betroffen sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.
  • Die von den Bezirken genutzten Fachverfahren stehen nach Angaben der Senatskanzlei grundsätzlich wieder zur Verfügung.
  • Der Online-Antrag für Wohngeld wird am 29. August 2026 im Service-Portal Berlin wieder angeboten. Der Papierantrag bleibt ebenfalls möglich.
  • Im Bereich der Verkehrsverwaltung sind weitere Daten abgeflossen. Ob darunter personenbezogene oder andere nicht öffentliche Daten sind, wird noch untersucht.
  • Der Senat teilte am 28. August 2026 mit, dass das Land Berlin im Zusammenhang mit dem Angriff erpresst werden soll.
  • Vereinzelte Beeinträchtigungen und Verzögerungen in den Arbeitsprozessen sind weiterhin möglich.

Die folgenden Abschnitte dokumentieren die Lage während der Netztrennung bis zum 19. August 2026. Der aktuelle Stand ist im Update oben eingeordnet.

Was in der Berliner Verwaltung passiert ist

Was öffentlich als Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung läuft, heißt bei der Senatskanzlei IKT-Vorfall im Landesnetz Berlin. Dahinter steht dasselbe: Forensische Untersuchungen haben einen Sicherheitsvorfall ergeben, zwei Senatsverwaltungen wurden daraufhin vorsorglich vom Netz genommen. Ein IKT-Krisenstab unter Leitung des Landesbeauftragten für Informationssicherheit koordiniert die Aufklärung, beteiligt sind das Landeskriminalamt, die Staatsanwaltschaft und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.

Praktisch bedeutete das: In den betroffenen Häusern funktionierten Telefon und interne Post, aber kein Internet, keine E-Mail nach außen und kein Homeoffice. Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach am 19. August von einem ernsten Angriff und davon, dass die vollständige Wiederherstellung noch einige Tage brauchen werde. Damals lautete der öffentlich mitgeteilte Zwischenstand, dass lediglich frei verfügbare Geodaten abgeflossen seien. Diese Einschätzung ist inzwischen überholt. Der aktuelle Stand ist im Update oben eingeordnet.

Für Mieterinnen und Mieter ist der technische Hergang zweitrangig. Entscheidend ist, welche Leistungen an dieser Technik hängen.

Was der Vorfall für das Wohngeld bedeutete

Wohngeld beantragen Sie nicht bei der Senatsverwaltung, sondern bei der Wohngeldstelle Ihres Bezirksamts. Die Fachverfahren dahinter laufen jedoch über die zentrale Infrastruktur. Deshalb wirkte sich der Vorfall auf Senatsebene bis in die bezirkliche Sachbearbeitung aus.

Während der Netztrennung konnten Beschäftigte mehrerer Bezirksämter Wohngeldvorgänge nicht bearbeiten. Genannt wurden unter anderem Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg und Marzahn-Hellersdorf. Seit der Wiederanbindung stehen die Verfahren grundsätzlich wieder zur Verfügung. Rückstände können die Bearbeitung weiterhin verzögern.

Wichtig ist die zeitliche Einordnung: Am 19. August galt die Auszahlung in der Berichterstattung als gefährdet. Ein Ausfall der Wohngeldzahlung wurde amtlich nicht bestätigt. Seit dem 23. August ist offiziell bestätigt, dass die Fachverfahren grundsätzlich wieder verfügbar sind. Ebenfalls vom Vorfall betroffen waren Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket.

Ob Wohngeld für Ihren Haushalt überhaupt infrage kommt, lässt sich vorab grob einschätzen. Unser Ratgeber zum Wohngeldrechner für Berlin erklärt, welche Angaben in die Berechnung einfließen.

Direktlinks für Wohngeldempfänger

Politische Reaktionen und offene Punkte

Die Linksfraktion im Abgeordnetenhaus fordert vom Senat eine Garantie für die Auszahlung des Wohngelds und mehr Ernsthaftigkeit bei der IT-Sicherheit. Aus der SPD kam die Forderung, die Finanzverwaltung solle Alternativwege prüfen, damit Landeshauptkasse und Bezirke Zahlungen anweisen können. Finanzsenator Stefan Evers (CDU) brachte eine zentrale Steuerung der Berliner Verwaltungs-IT ins Gespräch, mit eigenem Digitalbudget und ressortübergreifender Zuständigkeit.

Diese Forderungen sind politische Positionen, keine beschlossenen Maßnahmen. Eine technische oder organisatorische Ersatzlösung für die Wohngeldauszahlung war am 19. August 2026 öffentlich nicht bestätigt. Der IT-Sicherheitsexperte Manuel Atug kritisierte Berlin allgemein als bei der Cybersicherheit schlecht aufgestellt und verwies auf seit Jahren nicht umgesetzte Verbesserungen. Die Kritik an dezentral organisierten IT-Strukturen und die Forderung nach einer stärkeren Bündelung beim ITDZ äußerte dagegen der Grünen-Digitalpolitiker Stefan Ziller.

Wie viele Haushalte es trifft

Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg weist für 2025 rund 54.690 Berliner Haushalte mit Wohngeldbezug aus, der durchschnittliche Monatsbetrag lag je nach Bezirk zwischen etwa 264 und 323 Euro. Die in der Berichterstattung genannte Zahl von über 50.000 betroffenen Haushalten passt dazu. Seit 2022, als es noch rund 27.200 Haushalte waren, hat sich der Kreis der Empfänger etwa verdoppelt.

Ein Rechenbeispiel macht die Größenordnung greifbar: Bei einem Zuschuss von 300 Euro und einer Warmmiete von 750 Euro deckt das Wohngeld 40 Prozent der monatlichen Wohnkosten. Fällt diese Zahlung aus, entsteht keine Unbequemlichkeit, sondern eine Deckungslücke. Wie angespannt die Lage in einzelnen Quartieren ohnehin ist, zeigt das Monitoring Soziale Stadtentwicklung.

Was Mitglieder tun können

Wenn wegen einer ausbleibenden Wohngeldzahlung ein Mietrückstand entsteht, geht es schnell um Fristen. Mitglieder der Mietervereinigung Berlin e.V. können ein Mahnschreiben, eine Abmahnung oder eine Kündigung in der Beratung prüfen lassen, bevor sie reagieren. Wir ordnen ein, welche Frist tatsächlich läuft, ob ein Rückstand die Schwelle für eine Kündigung erreicht und welche Nachweise sinnvoll sind.

Das gilt auch für die andere Richtung: Wer einen Wohngeldbescheid für falsch hält oder mit einer Rückforderung konfrontiert wird, sollte den Bescheid mit den Unterlagen zusammen ansehen lassen. Informationen zur Mitgliedschaft und zur Terminvereinbarung finden Sie auf unserer Kontaktseite. Weitere aktuelle Entwicklungen sammeln wir unter Aktuelles.

Häufige Fragen zu Wohngeld und IT-Ausfall in Berlin

Wird das Wohngeld in Berlin Ende August ausgezahlt?

Die Senatskanzlei teilte am 23. August 2026 mit, dass die Fachverfahren grundsätzlich wieder zur Verfügung stehen. Ob alle Zahlungen ohne Verzögerung ausgeführt werden, wurde nicht gesondert bestätigt. Vereinzelte Beeinträchtigungen und Verzögerungen sind weiterhin möglich.

Muss ich einen neuen Antrag stellen, wenn kein Geld kommt?

Nein. Der Bewilligungsbescheid gilt weiter, der Anspruch bleibt bestehen. Eine technische Störung ändert daran nichts, sie kann die Zahlung nur verzögern. Wer eine Eingangsbestätigung für den Antrag erhalten hat, muss ihn wegen des IT-Ausfalls nicht erneut einreichen.

Kann ich Wohngeld in Berlin derzeit online beantragen?

Ja. Das Service-Portal Berlin bietet den Online-Antrag am 29. August 2026 wieder an. Alternativ bleibt der schriftliche Antrag beim zuständigen Bezirksamt möglich.

Was mache ich, wenn die Vermieterseite mahnt?

Reagieren Sie schriftlich und benennen Sie den Grund für die Verzögerung. Bei einer Abmahnung oder Kündigung wegen Zahlungsverzug sollte das Schreiben geprüft werden, weil hier kurze Fristen laufen. Welche Formalien dabei gelten, ist im Ratgeber zur Kündigung der Wohnung in Berlin erklärt. Wenden Sie sich an einen Mieterverein oder an eine Fachanwaltskanzlei für Mietrecht.

Quellen: Senatskanzlei Berlin: Senatsverwaltungen wieder ans Landesnetz angebunden, 23. August 2026; Senatskanzlei Berlin: Mehr Daten beim IKT-Vorfall abgeflossen, 26. August 2026; Senatskanzlei Berlin: Das Land Berlin lässt sich nicht erpressen, 28. August 2026; Bezirksamt Reinickendorf: Fachverfahren wieder verfügbar, Rückstände und längere Bearbeitungszeiten; Senatskanzlei Berlin: IKT-Vorfall im Landesnetz Berlin, 17. August 2026; Tagesspiegel: Auszahlung von Wohngeld an über 50.000 Haushalte in Gefahr, 18. August 2026; Tagesspiegel: Betroffene Behörden bleiben wohl noch mehrere Tage offline, 19. August 2026; Berliner Zeitung: Hackerangriff lähmt Berlin, 19. August 2026; taz: Wenn nur noch das Festnetz funktioniert, 18. August 2026; rbb24: Interview mit Manuel Atug zur Cybersicherheit in Berlin, 17. August 2026; rbb24 Inforadio: Interview mit Stefan Ziller zur Berliner Verwaltungs-IT, 19. August 2026; t-online Berlin: Hackerangriff trifft Wohngeld, 19. August 2026; dpa-Meldung: Problemlösung kann noch Tage dauern, 19. August 2026; Linksfraktion Berlin: Senat muss die Auszahlung von Wohngeld garantieren, August 2026; Service-Portal Berlin: Wohngeld als Mietzuschuss beantragen, abgerufen am 29. August 2026; Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Wohngeld in Berlin und Brandenburg.

Wohngeld bleibt aus und die Miete ist fällig?

Wenn ein Rückstand entsteht oder ein Schreiben mit Frist im Briefkasten liegt, können Mitglieder ihre Situation persönlich einordnen lassen.